Was macht ein systemischer Coach eigentlich?

Die Vielseitige Rolle von Coaches

Als systemischer Coach werde ich oft gefragt, was genau ich in meiner Arbeit tue und welche Rolle ich dabei einnehme. Manche Menschen erwarten von mir, dass ich wie eine Beraterin klare Anleitungen oder Aktionspläne gebe. Andere denken, ich sei eher wie eine Psychologin, die die Ursachen von Emotionen und Verhaltensweisen analysiert.

Aber was mache ich tatsächlich als Coach?

Die Antwort ist vielschichtig.

Ich kann Zuhörerin, Moderatorin, Vertraute, Wegbegleiterin, Anstoßgeberin, Gesprächspartnerin oder Spiegel sein. Meine Rolle passt sich dem an, was nötig ist, um ein tiefgehendes und bedeutungsvolles Gespräch mit der Person zu führen, die mir gegenüber sitzt. Das ist nicht immer einfach, aber unglaublich kraftvoll.

Es gibt Momente, in denen deutlich wird, dass mein Gegenüber einfach reden muss – alles loslassen möchte. In solchen Fällen reichen ein paar gezielte Fragen, damit die Person sich gehört fühlt und Erleichterung erfährt.

In anderen Situationen muss ich eine aktivere Rolle übernehmen, besonders wenn Gedanken schwer in Worte zu fassen sind. Ich stelle viele Fragen, beginne behutsam und arbeite mich dann immer tiefer vor. Als Coach ist es mein Ziel, weniger zu sprechen als meine KlientInnen. Ich begleite sie durch ihre Gedanken und reiche eine helfende Hand, wenn nötig. Doch es liegt an ihnen, ihre eigenen Worte zu finden – ich lege sie ihnen nicht in den Mund.

Einige meiner liebsten Momente als Coach nenne ich „Spiegelmomente“. Dabei spiegele ich die Worte, Sätze oder sogar das Verhalten meiner KlientInnen. Das mag zunächst wie Nachahmung wirken, doch das Gegenteil ist der Fall. Durch das Spiegeln erleben sie aus erster Hand, wie ihre Worte oder Handlungen auf andere wirken.

Viel zu oft sprechen wir, ohne die Botschaft, die wir vermitteln, vollständig zu verstehen. Wir sind so daran gewöhnt, Stille mit Worten zu füllen, dass diese oft nicht das transportieren, was wir beabsichtigen.

In nahezu jeder Coaching-Sitzung gibt es einen Moment, in dem meine KlientInnen stolpern, nachdem ich ihnen ihre Worte gespiegelt habe. Häufige Reaktionen sind: „So habe ich das nicht gemeint“, „Habe ich das wirklich so gesagt?“ oder „Wenn ich es so höre, merke ich, wie hart es klingt.“ Diese Erkenntnisse bieten ihnen die Möglichkeit, zu reflektieren: Warum haben sie diese Worte gewählt? Was wollten sie wirklich ausdrücken?

Diese Spiegelmomente bleiben meinen KlientInnen oft noch lange im Gedächtnis, weil sie etwas Unerwartetes über sich selbst zeigen.

Teil des Weges meiner KlientInnen zu sein, ist so vielfältig wie die Rollen, die ich übernehme. Ihnen zuzuhören, Fragen zu stellen und sie durch Veränderungen zu begleiten, ist nicht nur transformativ, sondern auch die erfüllendste Arbeit, der ich je nachgegangen bin.


Als ich selbst einmal als Klientin mit Coaches zusammengearbeitet habe, habe ich erlebt, wie wertvoll es ist, sich von jemandem unterstützt zu fühlen, der sich an meine individuellen Bedürfnisse anpassen kann. Die Vielfalt ihrer Fähigkeiten und ihre Bereitschaft, mich genau dort abzuholen, wo ich war – emotional oder mental – war unglaublich beruhigend. Egal, wie ich in ihr Büro kam, sie waren bereit, mir zuzuhören und mich zu begleiten.

Ich hoffe, meinen KlientInnen ein ähnliches Gefühl der Unterstützung und Sicherheit geben zu können.

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